Stolpersteingruppe Guntersblum besucht Ausstellung in Osthofen

4. April 2018

 

Die Mitglieder der Stolpersteingruppe Guntersblum besuchten gemeinsam mit interessierten Mitbürgerinnen die Ausstellung „Nichts war vergeblich. Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ in der Gedenkstätte KZ Osthofen.

In der Ausstellung werden die Biographien von Frauen dargestellt, die sich gegen den Terror des NS-Systems stellten. Es wird gezeigt, dass Frauen auf vielfältige Weise dem NS-Regime die Gefolgschaft verweigerten. Sie boten z. B. verfolgten Personen Unterschlupf, verfassten und verteilten Flugblätter, missachteten die „NS-Rassegesetze“ oder klärten im Exil über das Unrecht in Deutschland auf. Oft setzten sie dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel.

Auch regionale Beispiele „widerständiger“ Frauen werden in der Ausstellung genannt. Wie Pauline Schöfer aus Osthofen. „Die Sozialdemokratin, Gewerkschafterin und Gründerin der ortsansässigen Arbeiterwohlfahrt wurde wegen ihrer politischen Arbeit im März 1933 unter Beifall von „Nazifrauen“ ins KZ Osthofen eingeliefert. Auch nach ihrer Haftentlassung stand sie in engem Kontakt sowie Austausch mit Genossen und hörte verbotenerweise „Feindsender“, immer im Bewusstsein erneut inhaftiert zu werden.“ (Zitat Gedenkstätte Osthofen)

Während ihres Rundganges entdeckten die Mitglieder der Guntersblumer   Stolpersteingruppe dann auch eine Spur nach Guntersblum. Hier ein Auszug aus der Ausstellung in Osthofen: „Die Jüdin Anne Heinz, geborene Trum, konnte die NS-Zeit dank der Courage und der Hilfsbereitschaft einer Guntersblumerin, die zeitlebens namentlich nicht genannt werden wollte, überleben. Frau Heinz lebte mit ihrem Ehemann Walter in ,,Mischehe". Sie entstammte einer angesehenen Familie. Ihr Vater Ernst Trum hatte in Hahnheim erfolgreich einen Weinhandel betrieben. Als über kooperationsbereite Beamte der Mainzer Gestapo kurz vor Kriegsende Informationen über eine bevorstehenden Deportation der in privilegierter ,,Mischehe" lebenden Juden an Michel Oppenheim, Verbindungsmann zwischen der Gestapo und der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, Verwaltungsstelle Mainz und an den späteren rheinland-pfälzischen Innenminister Jakob Steffan gelangten, konnten etliche der betroffenen Personen noch rechtzeitig gewarnt und bis Kriegsende versteckt werden. Die Haushaltshilfe des beliebten Guntersblurner Arztes Dr. Ernst Huhn erklärte sich umgehend bereit, Anne Heinz in ihrer Wohnung zu verstecken.

Anne Heinz lebte bis zu ihrem Tode 1996 wieder in ihrem Geburtsort Hahnheim. Noch an ihrem Todestag erreichte die Familie ein Anruf, in dem die alte Frau als „Judensau“ beschimpft wurde.

Die Ausstellung wird noch bis Sonntag, 29. April 2018 in der Gedenkstätte Osthofen gezeigt.

 


Original Info-Blatt aus der Ausstellung in Osthofen - hier klicken (PDF Dokument)