Die Synagoge in Guntersblum

 

Wo ein Rabbiner lebt, gibt es auch eine Synagoge: Das Gebäude der Synagoge steht heute noch: Bleichstraße 12, versteckt hinter dem Haus Nr. 10 integriert in den Gebäudebestand des Weinguts Domhof (https://weingut-domhof.de/ ). Aus der Zeit der Nutzung als Synagoge sind die Außenmauern erhalten und das Eingangstor mit der Inschrift:

Zu deutsch: "Das ist das Tor zu Gott. Gerechte werden dort einziehen."

 

 

Ziemlich sicher ist, dass die jüdische Gemeinde hier in Guntersblum in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ihre Synagoge einrichtete. Urkundlich wird ein israelitisches "Bethaus", eine "Judenschule" oder auch eine "Synagoge" erwähnt. Da die Gemeinde ihre Schule schon vor 1839 unmittelbar neben das uns bekannte Synagogengebäude gestellt hat, ist anzunehmen, dass die Synagoge auch schon vor 1839 hier stand.

 

 

Noch heute ist das für Synagogen typische Rundfenster in der östlichen Stirnseite erhalten, über dem Toraschrein. Zu sehen sind im Innenraum noch die ehemalige Frauenempore sowie die Holztür als Eingang zur Empore. Ende des 19. Jahrhunderts war die Synagoge aufwändig renoviert worden. An die Decke, die bis in die 1960er Jahre hinein als hellblauer Himmel mit goldenen Sternchen gestaltet war, können sich manche früheren Besucher noch erinnern.

 

 

Innenraum der Synagoge mit Blick auf die Nische für den Thoraschrein
(Rekonstruktionszeichnung)

 

  

Innenraum der Synagoge mit Blick auf den Haupteingang
(Rekonstruktionszeichnung)

 

Hier wurde geheiratet, Trauerfeiern abgehalten, und die hohen Feiertage begangen. Im Oktober 1938 beging die Gemeinde zu Jom Kippur den vermutlich letzten Gottesdienst. Am Morgen des 10. November wurde im Rahmen der „Reichskristallnacht“ das Inventar aus der Synagoge gestohlen. Nazis zwangen die Mitglieder der jüdischen Gemeinde, in einem entwürdigenden Marsch die heiligen Gegenstände und Thorarollen durch das Dorf zu tragen – und am Ende mit anzusehen, wie alles auf einem großen Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Die jüdische Gemeinde war gezwungen, die Synagoge zu verkaufen. Heute ist es möglich, sie – nach vorheriger Anmeldung – zu besichtigen.

 

Quelle: Dieter Michaelis: Die Jüdische Gemeinde Guntersblum, Berlin 2014

 

 

 

   
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