Besuch aus den USA
 bei der Stolpersteingruppe Guntersblum


18. und 19. Juli 2026

 


Am Vormittag des 18. Juli 2026 begrüßte die Stolpersteingruppe Guntersblum erneut Frau Dena Rüb Romero aus Hanover, New Hampshire (USA) vor dem Rathaus Guntersblum. Sie ist die Tochter von Emil Rüb, der 1938 in die USA fliehen konnte, und die Enkelin von David Rüb, dem letzten Vorsteher der jüdischen Gemeinde Guntersblum. Begleitet wurde sie von ihren beiden Freundinnen Tamar Kummel, einer Dokumentarfilmerin, und Dieneke, deren Assistentin, aus den Niederlanden.

Der diesjährige Besuch hatte einen besonderen Schwerpunkt - an verschiedenen Orten in Guntersblum wurden Filmszenen gedreht, die in engem Zusammenhang mit der Geschichte von Denas Eltern stehen. Dena veröffentlichte 2024 ein Buch über deren Lebensgeschichte. Auf Grundlage dieses Buches hat Tamar mit den Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm begonnen. Dafür war es notwendig, die authentischen Straßen, Plätze und Gebäude zu besuchen, um Filmaufnahmen an den Originalschauplätzen anzufertigen.

Der Rundgang durch den Ort begann auf dem Rathausplatz – jenem Ort, an dem während des Novemberpogroms 1938 der Schandmarsch von sechs jüdischen Männern seinen Anfang und sein Ende nahm. Zur Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der Ortsgeschichte brachte die Stolpersteingruppe, mit Erlaubnis der Ortsgemeinde Guntersblum, eine Gedenktafel an der Außenwand des Rathauses an. Zu den sechs Männern, die zu diesem entwürdigenden Schandmarsch gezwungen wurden, gehörte auch David Rüb, der Großvater von Dena Rüb Romero.

Anschließend wurde die ehemalige Synagoge in der Bleichstraße besucht. Besichtigt wurden sowohl der ehemalige Eingang, Haus-Nr. 12,  mit der noch erhaltenen Inschrift über dem Portal als auch das Innere des Gebäudes, in dem bis heute bauliche Bestandteile der ehemaligen Synagoge erkennbar sind.

Danach führte der Weg zur Gedenktafel an der ehemaligen jüdischen Schule in der Viehgasse. Ihre Anbringung 1997 war der erste bedeutende Schritt bei der Aufarbeitung der Geschichte Guntersblums während der Zeit des Nationalsozialismus, initiiert durch den ehemaligen evangelischen Pfarrer Dieter Michaelis.

Die nächste Station des Rundgangs war das Haus Wormser Straße 4, das ehemalige Wohnhaus von Denas Großeltern David und Bertha Rüb. Sie lebten dort bis zu ihrem erzwungenen Umzug nach Frankfurt, der infolge der massiven Zerstörung des Hauses während des Pogroms am 10. Nov. 1938 notwendig wurde.

Weiter ging es in das nördliche Neubaugebiet, in dem eine Straße nach dem ehemaligen Vorsteher der Jüdischen Gemeinde David Rüb benannt wurde. Vor der Mittagspause im Weingut Burghof Oswald besuchte die Gruppe noch den Straßenabschnitt der Hauptstraße, der auf dem bekannten Foto des Novemberpogroms von 1938 zu sehen ist. Anschließend führte der Weg zu dem Haus in der Julianenstraße, in dem sich einst die Arztpraxis von Dr. Huhn befand. Dort begegneten sich Denas Eltern zum ersten Mal.

Während der Pause im Weingut Burghof Oswald traf Dena auch eine inzwischen hochbetagte Dame wieder, die vor 92 Jahren von Denas Mutter, einer examinierten Säuglingskrankenschwester, betreut worden war. Die freundschaftliche Beziehung zwischen Dena und der Familie Oswald besteht bereits seit ihrer Geburt.

Bevor Dena und ihre beiden Begleiterinnen nach der Mittagspause die Rückfahrt nach Frankfurt, über Worms und Heppenheim, antraten, entstanden noch Filmaufnahmen von Guntersblum aus der Perspektive der Weinberge oberhalb des Ortes.

Nach dem Besuch bei einer weiteren befreundeten Familie suchten die drei Damen am folgenden Tag als letzten Drehort den jüdischen Friedhof in Guntersblum auf, um die Gräber von Denas Vorfahren zu besuchen. Dort befindet sich auch die Grabstätte ihrer Urgroßmutter Dina Rüb, die 1936 als letzte Person auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt wurde. Da ihre Beerdigung bereits in der Zeit des NS-Regimes stattfand, konnte aufgrund der diskriminierenden gesetzlichen Vorgaben und der damit verbundenen finanziellen Auswirkungen von der Familie kein Grabstein errichtet werden. Heute erinnert ein von der Stolpersteingruppe gespendeter Gedenkstein an ihre Grabstätte. Außerdem besuchte Dena die Gräber ihres Urgroßvaters Daniel Rüb sowie weiterer Vorfahren ihrer Familie. Den Abschluss der Filmaufnahmen bildete eine Gesamtansicht des jüdischen Friedhofs von der gegenüberliegenden Nordseite.

Bei diesem Besuch konnten zahlreiche authentische Schauplätze aus der Lebensgeschichte von Denas Eltern und Großeltern filmisch dokumentiert werden. Sie bilden einen wichtigen Bestandteil des Dokumentarfilms, den Tamar derzeit auf der Grundlage von Dena Rüb Romeros 2024 erschienenen Buches „All for You: A World War II Family Memoir of Love, Separation and Loss“ realisiert. In ihrem Buch schildert Dena Rüb Romero eindrucksvoll die Lebensgeschichte ihrer Eltern und ihrer Familie. Es bewahrt deren bewegendes Schicksal und bildet zugleich die Grundlage für den entstehenden Dokumentarfilm.

Die Stolpersteingruppe Guntersblum unterstützte den Besuch der drei Damen sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Durchführung des Aufenthalts in Guntersblum. Die Begleitung zu den historischen Orten und die Vermittlung ihrer Geschichte sind Teil ihrer kontinuierlichen Erinnerungsarbeit. Damit leistet die Stolpersteingruppe einen Beitrag dazu, das Schicksal der ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger lebendig zu halten und im Sinne ihrer Arbeit gegen das Vergessen die Erinnerung an die Verbrechen der Zeit des Nationalsozialismus für kommende Generationen zu bewahren.

 


 

On the morning of July 18, 2026, the Guntersblum Stolperstein Group once again welcomed Ms. Dena Rüb Romero from Hanover, New Hampshire (USA) in front of Guntersblum Town Hall. She is the daughter of Emil Rüb, who was able to flee to the U.S. in 1938, and the granddaughter of David Rüb, the last head of the Jewish community in Guntersblum. She was accompanied by her two friends from the Netherlands: Tamar, a documentary filmmaker, and Dieneke, her assistant.

This year’s visit had a special focus: scenes for a film were shot at various locations in Guntersblum that are closely tied to the story of Dena’s parents. In 2024, Dena published a book about their life story. Based on this book, Tamar has begun filming a documentary. To do so, it was necessary to visit the actual streets, squares, and buildings in order to shoot footage at the original locations.

The tour of the town began at Town Hall Square—the very spot where, during the November pogrom of 1938, the “march of shame” of six Jewish men began and ended. To commemorate this dark chapter in the town’s history, the Stolperstein group, with permission from the municipality of Guntersblum, installed a commemorative plaque on the exterior wall of Town Hall. Among the six men forced to take part in this degrading “march of shame” was David Rüb, the grandfather of Dena Rüb Romero.

The group then visited the former synagogue on Bleichstraße. They toured both the former entrance at No. 12 — where the inscription above the doorway is still preserved — and the interior of the building, where architectural elements of the former synagogue remain visible to this day.

The tour then continued to the commemorative plaque at the former Jewish school on Viehgasse. Its installation in 1997 marked the first significant step in coming to terms with Guntersblum’s history during the Nazi era, an effort initiated by former Protestant pastor Dieter Michaelis.

The next stop on the tour was the house at 4 Wormser Street, the former home of Dena’s grandparents, David and Bertha Rüb. They lived there until they were forced to move to Frankfurt after their house was severely damaged during the pogrom on November 10, 1938.

The tour continued to the northern new development area, where a street was named after David Rüb, the former head of the Jewish community. Before the lunch break at the Burghof Oswald Winery, the group visited the section of Hauptstraße that appears in the famous photograph of the pogrom on November 10, 1938. The tour then continued to the house on Julianenstraße that once housed Dr. Huhn’s medical practice. That was where Dena’s parents met for the first time.

During the break at the Burghof Oswald winery, Dena also reunited with a now very elderly lady who had been cared for 92 years ago by Dena’s mother, a certified pediatric nurse. The friendly relationship between Dena and the Oswald family has existed since her birth.

Before Dena and her two companions set off on their return trip to Frankfurt via Worms and Heppenheim after lunch, they filmed some footage of Guntersblum from the vantage point of the vineyards above the town.

After visiting another family of friends, the three women went to the Jewish cemetery in Guntersblum the following day as their final filming location to visit the graves of Dena’s ancestors. The cemetery is also the final resting place of her great-grandmother, Dina Rüb, who was the last person to be buried there in 1936. Since her funeral took place during the Nazi regime, the family was unable to erect a headstone due to discriminatory legal requirements and the associated financial burdens. Today, a memorial stone donated by the Stolperstein group marks her grave. Dena also visited the graves of her great-grandfather, Daniel Rüb, and other ancestors of her family. The film shoot concluded with a panoramic view of the Jewish cemetery from the opposite north side.

During this visit, numerous authentic locations from the life stories of Dena’s parents and grandparents were captured on film. They form an important part of the documentary that Tamar is currently producing, based on Dena Rüb Romero’s book *All for You: A World War II Family Memoir of Love, Separation, and Loss*, published in 2024. In her book, Dena Rüb Romero vividly recounts the life stories of her parents and her family. It preserves their moving life stories and simultaneously serves as the foundation for the documentary currently in production.

The Guntersblum Stolperstein Group supported the three women’s visit both in preparing for and carrying out their stay in Guntersblum. Guiding visitors to historical sites and sharing their history are part of the group’s ongoing remembrance efforts. In this way, the Stolpersteingruppe helps keep the fate of former Jewish fellow citizens alive and, in keeping with its mission to combat forgetting, preserves the memory of the crimes committed during the Nazi era for future generations.


 

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Mehr über Tamar Kummel als Dokumentarfilm-Produzentin


 

 

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